Donnerstag, 05.02.2026

Scherbakowa und Nawalnaja mit Ludwig Beck Preis geehrt, zwei Lebensretter erhalten Bürgermutpreis

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Im Festsaal des Wiesbadener Rathauses sind am Freitag, 23. Januar, mehrere Auszeichnungen für Zivilcourage und Bürgermut verliehen worden. Den Ludwig Beck Preis 2025 erhielten die russische Historikerin und Publizistin Dr. Irina Scherbakowa sowie die Aktivistin Julia Nawalnaja. Den Preis für Bürgermut 2025 bekamen Johann Zernickel und Andrej Belosludov.

Preise und Preisträgerinnen

Die Stadt Wiesbaden verlieh den Ludwig Beck Preis für Zivilcourage an Dr. Irina Scherbakowa und Julia Nawalnaja. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und richtet sich an Personen und Institutionen, die sich in besonderer Weise für das Allgemeinwohl, das friedliche Zusammenleben und die Grundprinzipien von Demokratie und Rechtsstaat einsetzen.

Irina Scherbakowa wurde als Gründungsmitglied der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial ausgezeichnet. Die Historikerin setzt sich seit Jahrzehnten für die Aufarbeitung der Verbrechen der sowjetischen politischen Gewaltherrschaft ein und gilt als eine Stimme der Freiheitsbewegung in Russland. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verließ Scherbakowa ihr Heimatland und lebt seit Juli 2022 im Exil in Deutschland.

Julia Nawalnaja erhielt die Auszeichnung für ihre jahrelange Unterstützung ihres Mannes, des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, bis zu dessen Tod. Laut Jury tritt sie für die elementaren Werte der UN Menschenrechtscharta ein und führt den politischen Kampf ihres Mannes weiter, trotz der Gefährdung ihrer eigenen Freiheit und ihres Lebens.

Bürgermut in der Nachbarschaft

Der mit 2.500 Euro dotierte Preis für Bürgermut wurde 2025 an die Wiesbadener Johann Zernickel und Andrej Belosludov verliehen. Die beiden Männer waren im April 2024 eingeschritten, als eine Nachbarin von einem Messerangreifer schwer verletzt wurde. Zernickel zog den Angreifer von der Frau weg und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Belosludov sicherte das fallengelassene Messer und leistete Erste Hilfe. Die verletzte Nachbarin wurde nach Eintreffen von Polizei und Rettungsdienst operiert und medizinisch versorgt.

Vorgeschlagen wurden Zernickel und Belosludov demnach vom damaligen Polizeipräsidenten von Westhessen, Felix Paschek. Die Jury hob hervor, dass ihr Eingreifen spontan, selbstlos und lebensrettend gewesen sei.

Begründungen und Reaktionen aus der Stadt

Oberbürgermeister Gert Uwe Mende betonte bei der Verleihung, Zivilcourage beginne oft im Zweifel und im Alleinstehen. Er machte deutlich, dass die Stadt Wiesbaden die Auszeichnung als Ausdruck eines Selbstverständnisses von Verantwortung, Erinnerung und Haltung verstehe. Mende würdigte die beiden Preisträgerinnen des Ludwig Beck Preises als Beispiele gegen öffentliche Repression und als Verteidigerinnen von Freiheit, Menschenwürde und Wahrheit.

Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr ergänzte, Menschen, die Zivilcourage und Bürgermut zeigen, verdienten Aufmerksamkeit und Anerkennung. Er sagte, die Haltung dieser Personen diene dem Gemeinwohl und fordere Solidarität, insbesondere im Fall von Julia Nawalnaja gelte der Stadt auch tiefes Mitgefühl.

Der Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen, Björn Gutzeit, erklärte in seiner Laudatio, der Preis für Bürgermut würdige eine Haltung und Werte, die das Zusammenleben trügen. Er hob hervor, dass solche Taten oft ohne Publikum und ohne laute Inszenierung geschehen, in ihrer Wirkung aber von großem Wert für die Gesellschaft seien.

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